
Die häufigsten Kinderunfälle
EIN UNFALL –was tun? Kinder sind ständig in Bewegung, sie wollen überall dabei sein, alles anfassen, alles sehen. Ihre Neugier hat allerdings nicht selten schmerzhafte Blessuren zur Folge, denn die kleinen Entdecker können Gefahren nicht oder nur eingeschränkt erkennen. Die meisten Kinderunfälle passieren übrigens in den eigenen vier Wänden: bei Stürzen von Treppen oder Wickeltischen, bei Verbrennungen an Herd, Kerzen oder am Bügeleisen. Im Sandkasten oder auf dem Spielplatz können Steinchen auf der Rutsche, ein Sturz beim Wettrennen zum Sandkasten oder eine scharfe Kante am Klettergerüst Schürf-, Platz- oder Schnittwunden verursachen. Weil kleinere Blessuren ein Teil des Familienalltags sind, sollten Eltern wissen, wie
sie die häufigsten Verletzungen richtig versorgen. In den ersten Sekunden nach einer Verletzung dominieren der Schreck und der Schmerz. Trost und erste Hilfe sind jetzt am wichtigsten. Bevor eine Wunde behandelt wird, muss man richtig einschätzen, wie tief sie ist. Bei Verletzungen wie Knochenbrüchen oder starken Verbrennungen ist umgehend der Notarzt unter 112 zu rufen. Oberflächliche Verletzungen können jedoch gut selbst versorgt werden. Eine richtig versorgte Wunde heilt schneller ab, das Risiko einerWundinfektion sinkt. Zur Basisausstattung des familieneigenen Erste-Hilfe-Sets gehören eine Splitterpinzette, ein Desinfektionsmittel, steriles Verbandsmaterial sowie eine Wund- und Heilsalbe. Mit kühlem Kopf sollte man sich bei der Wundversorgung auf das Wesentliche konzentrieren: erst säubern und desinfizieren, dann die Selbstheilung aktivieren.
Schnitt-/Schürfwunden: Verschmutzte Wunden sollten zuerst unter fließendemkaltenWasser gereinigt werden. Bleiben Verunreinigungen in der Wunde, droht später eine „Schmutztätowierung“. Kleine Fremdkörper wie Steinchen oder Glassplitter werden mit einer sauberen Pinzette entfernt. Dann gilt es, die Wunde zu desinfizieren. Dafür eignet sich eine antiseptische Wundcreme. Wirkstoffe wie Dexpanthenol brennen nicht und wirken auch bei noch leicht blutenden Wunden. Anschließend sollte das Wundgebiet mit Pflastern oder sterilem Verbandsmull geschützt werden. Im Anschluss an diese Erstversorgung kann der natürliche Wundheilungsprozess mit speziellen Wundpräparaten und Heilsalben gefördert werden, um die Schutzfunktion der Haut schnell wieder herzustellen. Hautverletzungen heilen, indem das geschädigte Gewebe nach und nach durch neue, nachwachsende Hautzellen ersetzt wird. Die Wundränder rücken immer näher zusammen, bis sich schließlich eine neue Hautschicht schützend über das Ersatzgewebe legt. Das Ersatzgewebe wird nach der Wundheilung vom Körper zum Narbengewebe umgebildet. Die Narbe ist weniger elastisch als die ursprüngliche Haut, enthält weder Pigmentzellen noch Schweiß- und Talgdrüsen oder Haare. Je nach Größe, Tiefe und Heilungsverlauf der Wunde kann die Narbe mehr oder weniger auffällig sein.
Verbrennungen und Verbrühungen: Die Gefahr von Verbrennungen oder Verbrühungen ist im Haushalt besonders groß: durch Herdplatten, Bügeleisen, Gartengrill, brennende Kerzen, heiße Flüssigkeiten, Streichhölzer. Bei Verbrennungen unterscheidet man drei Schweregrade: Bei Verbrennungen 1. Grades rötet sich die Haut, bei Verbrennungen 2. Grades bilden sich Brandblasen und bei Verbrennungen 3. Grades liegen offene Wunden vor. Schnelles Handeln ist bei Verbrennungen besonders wichtig, weil für die kleinen Brandopfer bereits akute Lebensgefahr besteht, wenn acht bis zehn Prozent der Haut betroffen sind. Bei großflächigen Verbrennungen sollten Eltern sofort den Notarzt rufen. Das gilt auch für Verbrennungen im Gesicht, da es hier zu Schädigungen der Atemwege gekommen sein kann. Die Erste Hilfe besteht darin, bei Verbrühungen sofort die durchtränkte Kleidung auszuziehen. Kleidung, die an der Haut klebt, nicht mit Gewalt entfernen. Kein Mehl auf die Brandwunde streuen! Die betroffene Stelle mindestens 15 Minuten mit fließendem kaltem Wasser (evtl. unter der Dusche) kühlen. Das kalte Wasser lindert auch den Schmerz. Bei kleineren Brandwunden sollten Eltern auch den Kinderarzt anrufen und um Rat bitten.
WANN DEN NOTARZT RUFEN:
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bei sehr starker, nicht zu stillender Blutung
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bei Knochenbrüchen
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wenn der Verletzte bewusstlos ist
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bei besonders großer und tiefer Wunde
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wenn Schnittwunde tief und mehr als einen Zentimeter lang ist
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bei tief eingedrungenen, größeren Fremdkörpern
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bei stark verschmutzter Wunde
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bei größerer Gesichtsverletzung
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bei großflächigen Verbrennungen und bei Verbrennungen ab dem 2. Grad
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wenn sich die verbrannte Stelle weiß oder schwarz färbt (Kennzeichen für Verbrennungen 3. Grades)
KINDERÄRZTE EMPFEHLEN
Schnell ist es passiert – Ihr Kind hat auf die heiße Herdplatte gefasst, ist die Treppe hinuntergefallen, auf dem Spielplatz gestürzt oder wurde von einem Hund gebissen. Hilfe ist gefragt – und zwar sofort. Um einem verletzten oder kranken Kind allerdings „Erste Hilfe" leisten zu können, müssen Eltern wissen, welche Sofortmaßnahmen im Notfall zu treffen sind. Sie sollten einige einfache Handgriffe kennen und auch die erforderlichen Hilfsmittel oder Medikamente zur Verfügung haben. Ein Kurs „Erste Hilfe am Kind“ ist für Eltern unbedingt empfehlenswert.


