
Osteopathen behandeln mit ihren Händen, nicht mit Arzeneien. Immer mehr Eltern schwören mittlerweile auf das alternative Verfahren, auch wenn die Wirkung wissenschaftlich noch nicht endgültig nachgewiesen werden konnte. Dennoch arbeiten viele Kinderärzte heute gern und erfolgreich mit Osteopathen zusammen
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| Foto: Hemera/thinkstock |
Ganz entspannt liegt Mats auf der Behandlungsliege. Das drei Monate alte Baby fühlt sich sichtlich pudelwohl. Sanft drückt die behandelnde Osteopathin ihre Hand auf seinen Rücken, und schon nach kurzer Zeit ist Mats eingeschlafen.Dass hier gerade eine Heilbehandlung durchgeführt wird, lässt einzig die Praxis-Umgebung erkennen. Für Mats scheint das Ganze eher Entspannung pur zu sein. Scheinbar nebenbei wird jedoch sein asymmetrischer Kopf behandelt - der kein rein ästetisches Problem ist. Auf bestimmten Muskeln seines Körpers liegt aufgrund von Bewegungseinschränkungen des Schädels zu viel Spannung.
Der kleine Junge nimmt dadurch eine Vorzugshaltung ein, sprich, er dreht den Kopf immer zu derselben Seite, weil es ihm aufgrund der Spannung und Bewegungseinschränkung nicht anders möglich ist. Langfristig können solche Funktionsstörungen zu Auffälligkeiten führen. Wird eine solche Vorzugshaltung nicht behandelt, kann es später zu Bewegungseinschränkungen, Haltungsschäden und schmerzhaften Muskelverspannungen kommen.
Osteopathie - das ist eine alternative Heilmethode, bei der die Bewegungsabläufe des Körpers eine wichtige Rolle spielen. Die Theorie dahinter: Wird die Bewegung im Körper an einer Stelle behindert, können sich Krankheiten ausbreiten. Die Osteopathie will diese Einschränkungen aufspüren und lösen, und das einzig durch Berührung mit den Händen. Bei Babys entstehen derlei körperliche Einschränkungen oft während Schwangerschafdt und Geburt.
Dem wachsenden Kind im Mutterleib müssen die Organe Platz machen. Vor allem muss aber der Beckenboden mit seiner Muskulatur gut ausgerichtet sein, und auch das knöcherne Becken muss in einer guten Position sein. Wenn die Organe nicht gut weichen können, kann es zu körperlichen Beeinträchtigungen beim Kind kommen. Diese äußeren sich dann vor allem in Vorzugshaltungen und Kopfasymmetrien wie bei Mats. Daraus können Störungen resultieren wie etwa schlechtes Trinkverhalten oder übermäßiges Schreien.
Die berühmten Dreimonatskoliken werden von Osteopathen mit gutem Erfolg behandelt, wenn auch wissenschaftlich noch keine ausreichenden Studien zu dieser Therapieform vorliegen. Genau hier liegt der Knackpunkt. Die Schulmedizin zeigt sich zwar zunehmend aufgeschlossener, mit Osteopathen zusammenzuarbeiten - nach dem Motto "Wer heilt, hat Recht" -, dennoch hat die Osteopathie in Deutschland noch einen schweren Stand. Rechtlich ist das Berufsbild nicht geklärt. Nur wer einen medizinischen Grundberuf wie Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeut erlernt hat, darf sich als Osteopath ausbilden lassen. Eine geregelte Ausbildung gibt es bislang nur in Hessen.
Einen guten Osteopathen zu finden ist daher gar nicht so leicht. Dazu kommt das Problem der Kostenübernahme. Denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Behandlung gar nicht, die privaten nur vereinzelt. Eine Sitzung von 45 Minuten kann schon mal 80 Euro kosten, und bei einer Sitzung bleibt es im Normalfall nicht.
Auf jeden Fall sollten Eltern von ihrem Kinderarzt eine Überweisung für den Osteopathen einholen. Wochtig bei der Behandlung ist auch der Kontakt von Osteopath zum behandelnden Artz. Denn nur wenn alle Hand in Hand arbeiten, kann die Therapie optimal verlaufen. In anderen europäischen Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden findet man Osteopathen längst schon im Kreißsaal.
Es gilt: Je früher eine Auffälligkeit behandelt wird, desto größer ist der Erfolg. Erste Geburtskliniken in Deutschland haben bereits nachgezogen und arbeiten eng mit Osteopathen zusammen.
Mats Mutter jedenfalls hat ihre Osteopathin des Vertrauens gefunden. Schon mit Tochter Marie war sie auf Anraten ihres Kinderarztes in osteopathischer Behandlung. Heute turnt die fast Dreijährige quietschfidel durch den Praxisraum. Von ihrer einstigen Vorzugshaltung ist keine Spur mehr zu erkennen. "Mit Mats sind wir dann gleich nach der Geburt hierher gekommen", erzählt Mats Mutter, denn die Osteopathie wirkt schnell und gut".


