
Die Haut ist das Spiegelbild der Seele
Heute leiden immer mehr Kinder an Neurodermitis. Da ist der Beratungsbedarf der Eltern natürlich groß. Die Bremer Apothekerin Christina Jäger listet Fragen auf, die sie in der Apotheke besonders häufig beantwortet.
Welches sind sichere Anzeichen für eine Neurodermitis?
Die Diagnose Neurodermitis wird auf Grund von drei Faktoren gestellt: Juckreiz, Aussehen und Verteilung des Ekzems. Säuglinge und Kleinkinder haben häufig gerötete, wunde Wangen. Ekzeme bilden sich bevorzugt an den Streckseiten der Extremitäten. Milchschorf im Kopf-, Hals, - oder Windelbereich sowie isolierte Ekzeme an den Fesseln sind typische Stellen, an denen sich kindliche Neurodermitis zeigt. Charakteristische Merkmale sind die Dennie-Morgan-Lidfalte, eine Doppellfalte unterhalb des Auges oder das Fehlen der gesamten Augenbrauen oder deren seitlichen Teils. Lippenragaden, Mundwinkelekzeme und Einrisse unterhalb des Ohrläppchens können Hinweise auf Neurodermitis sein. Befinden sich die Kinder im akuten Stadium, haben sie einen unerträglichen Juckreiz, dem sie kaum widerstehen können. Als Folge des intensiven Kratzens entstehen Entzündungen und bakterielle Sekundärinfektionen.
Macht eine Diät für kleine Neurodermitispatienten Sinn?
Nur wenn das Allergen bekannt ist. Eine empfehlenswerte Diät für alle Neurodermitispatienten gibt es nicht. Kuhmilch, Nüsse, Hühnerei, Zitrusfrüchte und Sojaprodukte sind aber Beispiele für Nahrungsmittel, die häufiger Allergien hervorrufen als andere Nahrungsmittel. Das Stillen ist eine gute Prophylaxe für Säuglinge mit Tendenz zu Neurodermitis. Es gibt auch Hinweise, dass die Probiotikaeinnahme während der Schwangerschaft bei Neurodermitisgefährdeten Babys vorbeugen kann. Diese prophylaktische Maßnahme sollte jedoch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen sein.
Neurodermitis tritt in Schüben auf. Welche Auslöser sind dafür verantwortlich?
Die Auslöser eines Neurodermitisschubs sind so individuell, wie die Neurodermitispatienten selbst. Auslöser können Allergene wie Blütenpollen, Tierhaare, Hausstaubmilben oder Nahrungsmittel, Viren, Pilze, Bakterien, Kleidungsmaterialien sein. Eine sehr trockene Haut ist ebenfalls anfällig. Die Haut ist das Spiegelbild der Seele. Seelisches Ungleichgewicht und psychische Belastungen sind häufig Auslöser für einen Schub. Welche Pflegeprodukte sind bei Neurodermitis sinnvoll? Das A und O ist die Basispflege. Kinder sollten 2x täglich damit eingecremt werden. Diese Pflege wird angewendet, damit der nächste Schub möglichst weit herausgezögert wird. Basispflege enthält Feuchtigkeit, wie z. B. Harnstoff oder Allantoin oder/und Fett, wie z.B. Nachtkerzensamenöl. Auch Johanniskraut- Extrakt dient als Basispflege. Wichtig ist, dass zwei Grundregeln beachtet werden: 1) Auf feuchte Haut (nässende Ekzemen) gehört feuchte Pflege vom Typ O/W-Emulsion, auf trockene Haut fette Pflege, also eine W/O-Emulsion. 2) Je entzündeter die Haut, desto weniger Fett darf die Pflege enthalten. Vorsicht ist geboten bei der Anwendung von Harnstoff. Er kann auf der dünnen, zarten Kinderhaut stark brennen. Harnstoff brennt umso schlimmer, je entzündeter und zerkratzter die Haut ist. Für Kinder unter sechs Jahren, bei denen noch nie Harnstoffsalben angewendet wurden, gilt deshalb: Zuerst kleine Hautstellen mit einer Harnstoffsalbe (max. Konzentration 3 Prozent) eincremen. Ein Vorzug von Harnstoff: Er sorgt dafür, dass gleichzeitig angewendete Wirkstoffe besser und in höheren Konzentrationen von der Haut aufgenommen werden können. Bäder dienen ebenfalls der Basispflege. Die Badedauer sollte aber fünf Minuten nicht überschreiten und die Badetemperatur 33 Grad nicht übersteigen. Ein Teilbad ist ausreichend. Nach dem Baden die Haut sanft abtupfen, falls noch Basiscreme oder Salbe erforderlich ist, diese sanft in die nasse Haut einmassieren. Syndets eignen sich sehr gut zum Reinigen für empfindliche Neurodermitishaut. Sie sind unparfümiert, ohne Farb- und Konservierungsstoffe, alkaliseifen- frei und pH - Neutral.
Darf man verschreibungsfreies Kortison in der Selbstmedikation bei Neurodermitis anwenden?
Kortison ist eine wichtige Säule der Neurodermitistherapie. Dieser Wirkstoff muss aber professionell eingesetzt werden und gehört somit in die Hände eines Arztes. Das viel zitierte Motto bei der Kortisontherapie heißt: „ Nicht kleckern sondern klotzen." Hoch dosiertes Kortison in einer Intervall- oder Sequentialtherapie eingesetzt, hilft den Kindern mehr als ein unterdosiertes verschreibungsfreies Kortison über einen langen Zeitraum. Durch die lange Anwendung lokaler Kortikoide ist die Gefahr von Nebenwirkungen, wie z. B. Hautverdünnung oder Teleangiektasien größer. Für Kinder stehen die Kortikoide der Klasse 1 und 2, in Ausnahmefällen der Klasse 3, zur Verfügung. Kortison wird einmal täglich abends dünn auf die befallenen Körperstellen aufgetragen. Maximal zweimal täglich. Kortison darf nicht im Augen- und empfindlichen Windelbereich aufgetragen werden. Es soll nicht über einen längeren Zeitraum (max. drei Wochen) und nicht großflächig (nicht mehr als 1/10 der Körperoberfläche) aufgetragen werden. Die befürchtete Wachstumsstörung oder das Cushing Syndrom durch die Anwendung von lokalen Kortikoiden ist bei sachgerechtem Gebrauch nicht zu befürchten. Für die Selbstmedikation ist Hydrokortison für Kinder ab sechs Jahre zugelassen.


