
Besondere Maßnahmen zur "Stärkung" des Immunsystems sind bei gesunden Kindern wieder erforderlich noch möglich, wenn man einmal von einer gesunden Ernährung und situationsgemäßer Kleidung absieht. Die im Handel immer wieder angebotenen "Stärkungsmittel" für das Immunsystem nutzen ein Bedürfnis unsicherer Eltern und sind zumeist unwirksam. Unerfahrene Eltern greifen dennoch oftmals auf diese zumeist nicht verschreibungspflichtigen Präparate zurück, weil sie an den andauernden Infekten ihrer Kleinkinder insbesondere im Winterhalbjahr verzweifeln und sich große Sorgen um ihren Nachwuchs machen. "Können wir denn nichts für das Immunsystem tun?" ist eine im kinder- und jugendärztlichen Praxisalltag immer wieder gestellte Frage. Hier muß der Pädiater Eltern beruhigen und erklären, warum es beispielsweise völlig normal ist, wenn Klein Lisa oder Klein Paul im Jahr ca. zwölf Luftwegsinfekte durchmachen. Warum ist das so? Grundsätzlich wird jedes Kind mit einem funktionstüchtigen Immunsystem geboren, das ihm wie auch andere Merkmale von seine Eltern vererbt wird.
Dieses Immunsystem muß man sich jedoch als eine Art Baukasten vorstellen:
Alle erforderlichen Teile sind zwar vorhanden, aber im übertragenen Sinne noch nicht passen zusammengesetzt. Will sagen: Der neue Erdenbürger ist zwar immunkompetent, hat aber noch keine oder nur wenig spezifische Immunität gegen bestimmte Erreger. Über den Mutterkuchen hat die Mutter dem Neugeborenen eigene Antikörper gegen eine begrenzte Anzahl von Viren und Bakterien mitgegeben, aber diese sind quasi nur geliehen (sog. Leihantikörper und verschwinden etwas in sechs Monatten aus dem Blut.
Auch über die Muttermilch werden Antikörper abgegeben, jedoch führen auch diese nicht zu einem umfassenden Schutz des Babys vor Infektionen. Von Fachleuten bezwichnet man die Situation nach Verschwinden der Leihantikörper gerne auch als das sog. "immunologische Tal der Tränen", weil die Säuglinge dann besonders infektanfällig sind.
Die gute Botschaft dabei ist, dass mit jedem überstandenen Infekt die spezifische Immunität des Nachwuchses zunimmt.
Und spezifische Immunität bedeutet, dass sich bei erneutem Kontakt des Patienten mit dem gleichen Erreger das Immunsystem quasi an diesen erinnert und gleich kraftvoll den Eindringling zurückschlägt; das Kind erkrankt nicht erneut. Es ist also gar nicht sinnvoll, wenn Eltern ihre Kinder von allen Infekten fernhalten wollen, dennn spätestens im Kindergarten sind
diese nicht mehr zu verhindern.
Gegen viele schwere Erkrankungen können wir heute durch Impfungen unsere Kinder schützen. Impfungen funktionieren übrigens nach dem gleichen Prinzip wie zuvor beschrieben und werden von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut und anschließend vom Gemeinsamen Bundesausschuss sowie den Gesundheitsbehörden der Länder für alle Kinder empfohlen.
Diese Kinder können schon bei vergleichsweise banalen Infekten z.B. der Luftwege ernsthaft krank werden. Ein besonders tückischer Erreger ist das sog. RS-Virus, das gerade bei Frühchen zum Lungenversagen führen kann.
Aber auch hier gibt es die Möglichkeit zur - wenn auch passiven - Impfung, d.h., es werden direkt Antikörper in die Muskulatur des Patienten gespritzt. Diese halten zwar nicht nicht so lange wie eine normale Impfung vor, schützen jedoch insbesondere im Winterhalbjahr vor diesem Erreger. Ihr Kinder- und Jugendarzt weiß, wann eine solche Behandlung erforderlich ist.


