
Die Chemie muß stimmen
Verglichen mit
dem europäischen Ausland hinkt Deutschland deutlich hinterher: Das staatliche Betreuungsangebot für Kinder – insbesondere Babys – fällt mager aus. Gut zwei Drittel der Betreuungsplätze werden durch private Initiativen abgedeckt. Dies abzuschaffen, müht sich unsere Familienministerin Ursula von der Leyen redlich. Ständig sprudeln neue Ideen aus ihrem Ministerium – besonders, was die Finanzspritzen für junge Familien angeht. Wer arbeiten geht und Unterbringungsmöglichkeiten für sein Kind sucht, hat es doppelt schwer: Selbst Eltern, die beispielsweise einen Krippenplatz oder andere Möglichkeiten der Betreuung wahrnehmen, müssen immer wieder zeitliche Engpässe in Kauf nehmen. In den seltensten Fällen decken sich die Betreuungszeiten mit den Arbeitszeiten. Auch in der Ferienzeit zirkeln Jahr für Jahr Eltern ihre Urlaubstage genauestens ab, um Betreuungsfehlzeiten auszugleichen. Ein privates Netzwerk aus Freunden, anderen Eltern und Familienmitgliedern, welche Fehlstunden überbrücken und flexibel einspringen können, ist unabdingbar. Eine sehr individuelle Lösung mit Familienanschluss ist die Tagesmutter. Ihr Baby wird im Idealfall diese Unterbringung wie ein zweites Zuhause wahrnehmen und sich sehr geborgen fühlen. Ein Aupair-Mädchen wohnt bei Ihnen im Hause und ist sicher die teuerste – wenn auch bequemste – Möglichkeit, Ihren Schatz während der Arbeitszeit gut untergebracht zu wissen. Die staatliche Krippe für Kinder bis 3 Jahren bietet leider nicht einmal 5 Prozent aller bis Dreijährigen einen Platz, auch privat organisierte Krippen sind rar gesät. Allen Möglichkeiten ist eines gemeinsam: Sie bieten alle eine ganz spezielle Umgebung für Ihr Kind – und ihre Auswahl muss frühzeitig, dass heißt am besten noch während der Schwangerschaft, geschehen. Wer nicht jeden Tag in der Woche arbeiten muss bzw. ganz flexible Arbeitszeiten hat, kann von der Möglichkeit Gebrauch machen, das eigene Baby wechselseitig mit den Kindern anderer Eltern zu betreuen. Gewiss die preisgünstigste Alternative, wenn auch mit viel Organisation und Anstrengung verbunden. Um sich erst einmal einen Überblick über die Betreuungsmöglichkeiten in der eigenen Stadt zu verschaffen, ist es am sinnvollsten, das Jugendamt zu kontaktieren. Hier werden alle Krippen geführt, und Kontaktadressen für alle anderen Betreuungsmöglichkeiten bereitgestellt. Bei der Suche nach Tagesmüttern lohnt sich neben der Recherche im Freundes- und Bekanntenkreis ein Blick in die regionale Tageszeitung, das kostenlose Wochenblatt und auf Aushänge in Supermärkten.
Um Ihr Baby gut aufgehoben zu wissen, sollten Sie sorgfältig die Vor- und Nachteile der diversen Betreuungsmöglichkeiten abwägen
DIE KINDERKRIPPE
Für diejenigen, die das Glück haben, hier einen Betreuungsplatz zu finden, bietet eine Krippe für Kinder bis 3 Jahren ein wohlstrukturiertes Angebot mit kleinen Gruppen von vier bis maximal 6 Kindern. Der Alltag in einer Krippe ist an feste Abläufe und Uhrzeiten gebunden, diese Rituale bieten Halt. Der Kontakt mit Gleichaltrigen bietet – in Kombination mit dem umfangreichen Spielmaterial – genug Abwechslung. Sehr zurückhaltende Kinder fühlen sich möglicherweise im Gruppenalltag gestresst und brauchen eine längere Anlaufzeit, um sich hier wohl zu fühlen.
Krippenkinder machen in den ersten Monaten durchschnittlich mehr Infekte durch, das Risiko, ein Allergiker zu werden, ist allerdings dreimal geringer als bei Kindern, die nicht in die Krippe gehen. Die Kosten sind abhängig von Ort und Einkommen der Eltern, die Spanne reicht von ca. 70 bis 425 Euro. Informationen: über das örtliche Jugendamt oder www.zukunft-kinderkrippe.com www.familienhandbuch.de www.kindertagesbetreuung.de
DAS AUPAIR
Ausreichend Platz ist das erste Kriterium für die Wahl eines Au-pair-Mädchens. Die junge Frau muss über einen eigenen Raum verfügen können und darf maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten. Aupairs haben einen Anspruch auf einen bezahlten Sprachkursus und Taschengeld in Höhe von 205 Euro pro Monat. Ihr Baby wird in der ihm vertrauten Umgebung betreut. Ein Aupair zu beherbergen, verlangt genaue Absprachen und ein großes Maß an Vertrauen. Wenn gegenseitige Sympathie vorhanden ist, kann diese Art der Kindesbetreuung zu einer Bereicherung für das Familienleben werden, die sich allerdings in der Regel nur über ein Jahr erstreckt. Die Kosten für ein Aupair liegen in der Regel meist über 600 Euro.
Informationen: www.au-pair-society.de www.au-pair-agenturen.de
DIE TAGESMUTTER
Private Empfehlungen sind der beste Weg, um eine Tagesmutter zu finden. Oft hat eine Tagesmutter mit eigenen Kindern Erfahrungen sammeln können, die Mitgliedschaft in einem Verband bzw. der freiwillige Besuch von Seminaren spricht für das Engagement. Ihr Baby wird in den privaten Räumen der Tagesmutter zumeist zusammen mit anderen Kindern betreut. Sympathie spielt eine große Rolle bei der Auswahl für diese Betreuungsform. Achten Sie darauf, dass die Tagesmutter ein pädagogisches Konzept an der Hand hat und ausreichend liebevoll gestalteten Raum anbieten kann. Bei einem ersten Besuch sollten sie sich vergewissern, dass die Chemie stimmt und ob ihr Baby sich entspannt gibt. Die Kosten sind abhängig nach Ort und Ausbildung der Tagesmutter. Ca. 320 bis 640 Euro monatlich sind zu kalkulieren. Informationen: über das örtliche Jugendamt oder unter www.tamu.de www.unter-einem-hut.de


