19.05.2012

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BABY POST 02.12
Ab April 2012 bei Ihrem Kinderarzt und Apotheker erhältlich

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FAMILIE & PARTNERSCHAFT
Kindersicherer Haushalt
KINDERSICHERER HAUSHALT - Erhöhte Alarmbereitschaft

Während Neugeborene noch vergleichsweise pflegeleicht sind, halten Kleinkinder ihre Eltern dann ganz schön in Atem. Spätestens mit dem Beginn des Krabbelalters sollte die Wohnung rundum kindersicher sein.

Hingefallen Es gibt Gefahrenquellen für Kinder, die so offensichtlich sind, dass sie in den meisten Haushalten schon frühzeitig ausgeschlossen werden: offene Steckdosen etwa oder ungeschützte Treppen. Doch Steckdosenschutz und Treppengitter können nur der Anfang sein, wenn man potenzielle Unfälle in den eigenen vier Wänden mit Kindern vermeiden will. Wer Kinder hat, weiß von Beinaheunfällen, langen Schrecksekunden und vielen Schutzengeln ein Lied zu singen. Oft sind die Folgen harmlos, so dass am Ende alle wieder aufatmen können - Glück gehabt!

Für viele aber läuft es leider nicht so glimpflich ab. Da ist von schlimmen Verbrühungen, Quetschungen, schweren Stürzen bis hin zu Unfällen mit Todesfolge die Rede. Und auch die Statistiken sprechen eine erschreckende Sprache: Mehr als 1,8 Millionen Kinder im Alter zwischen 0 und 15 Jahren verunglücken jedes Jahr in Deutschland. 50 Prozent der Kleinkinder bis vier Jahre verunglücken im Heim- und Freizeitbereich. Bei Kleinkindern im ersten Lebensjahr sind es vor allem Stürze vom Wickeltisch, dem Hochstuhl oder der Treppe, die zur tödlichen Gefahr werden können. „Auch die Ertrinkungsgefahr ist im Kleinkindalter nach wie vor hoch", weiß Klaus Afflerbach, Leiter des Forums Unfallprävention beim Deutschen Grünen Kreuz in Marburg.

Für Karoline Becker, Pressesprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit in Bonn ist klar, Kinder bis zum dritten Lebensjahr dürfen einfach nicht ohne Aufsicht sein. Dennoch können Eltern ihre Augen nicht überall haben. Es hilft auch nichts, Kinder aus Angst vor möglichen Gefahren sprichwörtlich in Watte zu packen. Hilfreich dagegen ist es, sich selbst für die Risiken im Kinderalltag rechtzeitig zu sensibilisieren. Sehen Sie die Welt um sich herum einmal mit den Augen Ihres Kindes. Wie interessant ist da beispielsweise das herabhängende Kabel eines Bügeleisens? Oder der Zipfel der Tischdecke, auf dem gerade der Frühstückstisch gedeckt wurde? Die Pflanzen - giftig wie im Falle der Begonie oder dem Weihnachtsstern? Während Sie hier durch Ihre behutsame Achtsamkeit Gefahrenquellen ausschließen, tun Sicherheitsprodukte wie Herdschutzgitter oder Schubladensperren ihr Übriges weitere Gefahrensituationen zu entschärfen. „Kinder sind neugierig, spontan und stecken voller Tatendrang", weiß Afflerbach.

Die ersten Monate nach der Geburt sind nur die Ruhe vor dem Sturm. Sobald die Energiebündel erwachen und ihren Bewegungsdrang nicht nur spüren, sondern durch Greifen, Krabbeln und an Stühlen, Tischen, Schränken sich hochziehend ausleben können, gilt erhöhte „Alarmbereitschaft". Aufmerksam die jeweiligen Entwicklungsschritte zu beobachten, ist dabei eine Voraussetzung, um sein Kind richtig einzuschätzen zu können. Oft passieren Unfälle gerade deshalb, weil Eltern ihr Kind nicht richtig einschätzen. Der sichere Weg zu einer möglichst unbeschadeten Entwicklung des Kindes ist in den Augen Afflerbachs neben der aktiven Risikominderung durchPapa und ich im Alltag Schutzvorrichtungen die „Sicherheitserziehung" durch die Eltern, die Gefahren alterstypisch mit dem Kind erkunden und durch das gemeinsame Erfahren vermeiden helfen. Dass das möglich ist, zeigt schließlich nicht zuletzt die aktive Unfallprävention im Straßenverkehr. „Seit gezielte Aufklärungen und Schulungen von Erwachsenen sowie Kindern in Deutschland durchgeführt werden, hat sich die Zahl der Unfälle von Kindern im Straßenverkehr deutlich verringert."

Die Zahl der häuslichen Unfälle von Kindern dagegen ist unvermindert hoch. Das heißt im Umkehrschluss, die Gefahrenquellen sind nicht wirklich präsent, nicht seitens der Eltern und auch nicht seitens der Gesetzgebung. So versteht Afflerbach nicht, warum der Rauchmelder nicht längst in jedem Haus und in jeder Wohnung ebenso Pflicht ist wie der Gurt im Auto. Schließlich sei die Gefahr eines Wohnungsbrandes heute höher denn je. In jedem Haushalt steht eine Vielzahl an elektrischen Geräten, wie Video, PC, Fernseher. Rauchmelder helfen Leben retten.

Viele Unfälle geschehen in Stresssituationen, einem Moment der Unaufmerksamkeit, weil Eltern mit zwei Dingen gleichzeitig beschäftigt oder schlicht durch Probleme im Alltag überfordert sind. Wie beim Wickeln etwa, wenn das Kind quengelt und die Mutter bzw. der Vater nur mal eben ein Spielzeug holen will, um das Kind zu beruhigen. „Die Hand am Kind am Wickeltisch! heißt da die goldene Regel", sagt Karoline Becker. Wer sich davon ablenken lässt, braucht mindestens einen Schutzengel. Wer darauf aber nicht vertrauen will, für den heißt es, das Kind auf den Arm nehmen und gemeinsam nach dem Spielzeug suchen.

Heiße Getränke in Reichweite des Kleinkindes?

Lieber nicht! Eine unachtsame Bewegung und schon ist es passiert, die heiße Flüssigkeit ergießt sich über Hände, Arme oder gar Gesicht des Kindes. Verbrennungen und Verbrühungen stellen schon im ersten Lebensjahr ein großes Risiko dar, ebenso wie Medikamente, Putzmittel und giftige Pflanzen, die nicht in Kinderhände, sondern hinter verschlossene Türen gehören. Wer um die Gefahrenquellen weiß, ist einen guten Schritt weiter, diese, wenn auch nicht gänzlich zu vermeiden, so doch zu entschärfen. Die rasche Entwicklung bei Kindern erfordert aber auch ein klares, erzieherisches Wirken der Eltern. Sie müssen lernen, ihre Kinder in jedem Alter richtig einzuschätzen und Grenzen zu setzen. Altersgerecht die Welt mit den Kindern gemeinsam zu entdecken ist auch das Credo von Karoline Becker. Die Fragen, die Eltern nie vernachlässigen sollten: „Wo kann ich helfen, und wo muss ich strikt bewahren?"

10 wichtige Regeln für mehr Kindersicherheit im Haushalt

1 Ein stabiler und breiter Wickeltisch bietet mehr Fläche und reduziert das Risiko, dass Ihr Baby herunterfällt.
2 Lassen Sie das Kind nie allein auf dem Wickeltisch (auch nicht auf dem Sofa).
3 Heiße Flüssigkeiten sollten nicht in Reichweite des Kindes aufbewahrt werden.
4 Stellen Sie die Babywippe immer auf den Boden.
5 Das Kinderbett sollte einen Gitterschutz haben. Die Matratzenhöhe muss der kindlichen Entwicklung angepasst werden. Sobald das Baby sitzen kann, die Matratze absenken.
6 Überprüfen Sie den Schnuller regelmäßig auf defekte Teile.
7 Befestigen Sie Spielzeug nicht an Kordeln über Bett bzw. Kinderwagen. Kleine Spielsachen, die das Kind verschlucken könnte, gehören nicht in Reichweite des Kindes.
8 Vor dem Baden die Wassertemperatur überprüfen.
9 Lassen Sie Ihr Kind im Bad nicht aus den Augen.
10 Steckdosen müssen gesichert werden.

Wichtige Sicherheitsprodukte

Treppengitter, Steckdosenschutz, Kantenschutz (für spitze Ecken an Tischen, Schränken etc.), Schubladensperre, Fensterriegel, Herdplattengitter, Backofen-Sicherung, Warmwasser-Mischbatterien mit Temperaturbegrenzer, Rauchmelder

C H E C K L I S T E N

Das Deutsche Grüne Kreuz hat sechs altersspezifische Checklisten ausgearbeitet, die wichtige Sicherheitstipps für den Alltag zusammenfassen. Die Checklisten können gegen einen mit 1,44 EURO frankierten und adressierten DIN-A5-Rückumschlag angefordert werden beim Forum Unfallprävention des Deutschen Grünen Kreuzes, Schuhmarkt 4, 35037 Marburg