19.05.2012

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BABY POST 02.12
Ab April 2012 bei Ihrem Kinderarzt und Apotheker erhältlich

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FAMILIE & PARTNERSCHAFT
Eine ganz besondere Beziehung
Eine ganz besondere Beziehung

Kinder profitieren von einer guten Beziehung zu ihren Großeltern. Denn aus der frühen Erfahrung, dass es neben den Eltern noch weitere Menschen sind, von denen sie auf ähnliche Weise geliebt und behütet werden, beziehen Kinder Sicherheit und Geborgenheit. Und auch ihr Selbstwertgefühl profitiert davon, wenn Oma und Opa sich um den Nachwuchs kümmern.
Der Evolutionspsychologe Prof. Harald Euler von der Universität Kassel hat sich intensiv mit dem Verhältnis zwischen Großeltern und ihren Enkeln beschäftigt. Seiner Erkenntnis nach profitieren Kinder, die einen guten Kontakt zu ihren Großeltern pflegen, durch die Bindungserfahrungen "Eine weitere Person außer den Eltern zu haben, die sich bedingungslos kümmert, schafft eine sichere Basis und leistet einen wichtigen Beitrag", so der Experte. "Außerdem profitieren Enkelkinder dadurch, dass die Grosseltern oft die erste Familie außerhalb der eigenen sind, die das Kind kennenlernt." Dadurch lerne es andere Umgangsformen - und das in einem vertrauten, sicheren Rahmen. "Die Großeltern ermöglichen eine erste Exploration in andere soziale Umwelten", erklärt Prof. Euler. Großeltern holen mit den Enkeln gerne das nach, was sie mit den eigenen Kindern verpasst haben, weil Arbeit und Familienmanagement damals nicht mehr viel Raum für die Beschäftigung mit den Kindern gelassen haben. Sie empfinden gemeinsam verbrachte Zeit mit den enkeln als eine besondere Bereicherung. !Großeltern - meistens Großmütter - unternehmen mit dem Kind oft Dinge, an die die Eltern nicht denken oder nicht in den alltäglichen Umgang eingebaut haben: häkeln, basteln, Lieder singen, vorlesen, Brettspiel, beim Kochen helfen lassen (auch wenn es dann länger dauert), beten, usw. Die Großväter kommen mit zwei Arten von Tätigkeiten gerne zum Zuge: Sie reparieren gerne Sachen für den Enkel und sie bringen dem Enkel, häufiger als Großmütter bestimmte Fähigkeiten bei /Rad fahren, schwimmen)", so Prof. Euler.
Grundvoraussetzung für ein unbeschwertes Verhältnis zwischen Kindern und ihren Großeltern ist alerdings, dass Eltern und Großeltern sich einig sind. Häufig entstehen Probleme, wenn Eltern den Eindruck haben, dass sich ihre Eltern zu sehr in die Erziehung der Kleinen einmischen, die Kinder "verziehen", oder einfach zu sehr klammern. Experte Euler rät Großeltern, sich in Erziehungsfragen zurückzuhalten und nur innerhalb der von den Eltern gesetzten Grenzen einzugriefen. Gibt es Dissonanzen, leidet auch die Beziehung zwischen Großeltern und Kindern. Eine Einmischung sei am ehesten zu befürworten, wenn es um elterliche Strenge geht, so Prof. Euler. "Eltern - besonders deutsche - sind oft sehr streng,  besonders mit dem ersten Kind. Die Großmutter kann dann sagen: "Ach, nun lass mal! Ich war mit dem ersten Kind auch streng, aber nachher habe ich gesehen, dass das gar nicht nötig ist." Das Kind kann durchaus lernen, dass bei den Großeltern etwas andere Regeln herrschen als bei den Eltern, und das tut dem Kind eher gut, als das es dadurch verwirrt würde. Sich auf unterschiedliche Personen und Situationen einzustellen lernen ist eine wichtige Erfahrung, hilfreich für den weiteren Lebensweg. 

Wodurch zeichnen sich gute Großeltern aus?
Euler: Das Wichtigste ist, dass Großeltern sich Zeit für ihre Enkel nehmen. Vielen Eltern mangelt es ja oft an der Muße, sich in aller Ruhe mit dem Kind zu beschäftigen. Großeltern nehmen sich diese Zeit oft und gerne. Davon profitieren Kinder. Sie sind einfach glücklicher - zumindest in der Rückschau aus dem Erwachsenenalter. Wichtig aus kindlicher Perspektive ist auch, dass Großeltern "lieb" sind. Im Sinne von feinfühlig auf das Kind reagieren, seine Wünsche erkennen und darauf eingehen, bei einem Missgeschick Tadel unterlassen, loben, Anteil nehmen, sich freuen an den Leistungen des Kindes, die kindliche Neigier befriedigen. Lieb sein kann sogar heißen, heimlich dem Enkel erlauben, was eigentlich seitens der Eltern nicht erlaubt ist (z.B. später zu Bett gehen, unerlaubte Süßigkeiten essen). Besonders bei kleinen Kindern (bis etwa drei Jahren) besteht kaum die Gefahr, dass sie verwöhnt werden. Das Gegenteil von lieb wäre, mit Strenge, Ermahnungen, Regeln auf das Kind einwirken zu wollen.

Welche Tipps geben Sie Eltern und Großeltern, die sich in einem schönen Miteinander um die Kleinen kümmern möchten?
Euler:
Meine Tipps für die Eltern: Belasten Sie die Großeltern nur so weit, wie diese zu tragen bereit sind. Großeltern (insbesondere Großmütter) helfen meist gerne aus und bringen sich gerne ein, aber sie wollen in der Regel nicht mehr die volle Verantwortung. Das lieben sie an der Großelternrolle: Umgang mit dem Kind haben zu können, aber nicht zu müssen. Meine Tipps für die Großeltern: Akzeptieren Sie die elterliche Erziehungsgewalt, und beschränken Sie sich auf den Freiraum innerhalb dieses Rahmens. Wenn beispielsweise Eltern darauf bestehen, dass das Kind nur mit Schutzhelm Fahrrad fährt oder nur mit Kindersitz im Auto, dann darf es kein "haben wir früher auch nicht gemacht" geben. Wenn die Mütter den Anteil tierischer Fette in Essen reduzieren will, muss die Oma eben den Speck mal weglassen. Hilfe und Umgang mit dem Kind anbieten, aber nicht einfordern. Nicht die Eltern übertrumpfen wollen, wie es häufig bei geschiedenen Eltern mit Besuchsrecht geschieht.