
Überfüllte Tageseinrichtungen stressen Kinder
Wie Kinder die Unterbringung in der Kindertagesstätte empfinden, hängt nicht nur von der Qualität ihrer Betreuer ab, sondern auch davon, welche Beziehung die Kinder zu diesen Personen eingehen können. Bei Gruppen von 20 Kindern verschlechtert sich die Qualität der Beziehungen und nimmt der Stresss für Kinder deutlich zu - im Gegensatz zu kleineren Gruppen mit etwa 10 Kindern. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Forscher um Prof. Jared A. Lisonbee der Washington State Universität. "Je größer die Kindergruppen sind, desto weniger können sich die Erzieherinnen und Erzieher um die Kinder kümmern. Kinder können dass kaum eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen, die ihnen die Trennung von den Eltern und von Zuhause erleichtert", erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte.
Die Forscher untersuchten 191 vierjährige Vorschulkinder in 12 verschiedenen Einrichtungen. Um das Stressniveau beurteilen zu können, sammelten die Wissenschaftler Speichelproben der Kinder im Verlauf des Tages und bestimmten den Cortisol-Spiegel - einem Streeehormon, das eine erhöhte Alarmbereitschaft des Körpers bewirkt. Zusätzlich befragten sie Erzeiherinnen und Erzieher sowie Kinder, wie sie sich miteinander vertanden. Kinder, die eher anhänglich waren, hatten demnach einen erhöhten Cortisol-Spiegel beim Besuch der Tageseinrichtung. Erwartungsgemäß hatten auch Kinder mit einem schlechteren Kontakt zum Betreuer bzw. zur Betreuerin erhöhte Werte. Konfliktpotential gab es aus der Sicht der Kinder, wenn sie die Erwachsenen als unfreundlich erlebten und für beide, wenn die Betreuer die Interaktionen mit Kindern als unbefriedigend und frustrierend erlebten - alles Situationen, die eher in überfüllten Tageseinrichtungen vorkommen. "Cortisol kann langfristig das Immunsystem unterdrücken. Stresshormone lassen das Herz schneller schlagen und erhöhen den Blutdruck. Kann der Körper den erhöhten Spiegel z.B. nicht durch Bewegung und Entspannung abbauen, kann darunter die Gesundheit leiden", erklärt Dr. Fegeler. "Diese Untersuchung zeigt, wie wichtig es ist, die Gruppen in Tageseinrichtungen klein zu halten und für ein angenehmes Klima zu sorgen - sowohl für Kinder als auch für Erzieherinnen und Erzieher." Quelle: http://www.kinderaerzte


