
Vater werden ist nicht schwer
Stefanie beobachtet ihren Mann Wilhelm, der ausgelassen mit dem drei Monate alten Benjamin auf dem Teppich spielt. Er macht lustige Grimassen, prustet Benjamins Bauch und Füßchen und macht dabei laute Flugzeuggeräusche. Benjamin strampelt fröhlich und aufgeregt und scheint diese Spielchen sehr zu genießen. Warum kümmert Lars sich nicht so liebevoll um unseren Felix, denkt Stefanies Freundin Sara, die mit ihrem Baby zu Besuch ist. Sie hat das Gefühl, dass Lars sich seit Felix’ Geburt zurückgezogen hat und sich für alles mehr interessiert als für sie und das Baby. Genau wie die frisch gebackene Mutter muss auch der junge Vater in eine neue Rolle hineinwachsen. Er muss oft sein komplettes Leben umstellen, viele Freiheiten aufgeben und Entscheidungen unter anderen Kriterien treffen.Kein Wunder, dass so mancher frisch gebackene Vater Probleme mit seiner neuen Rolle hat. Die Betroffenen fühlen sich unsicher im Umgang mit dem Baby und haben Angst vor Fehlern. Wenn sie dann durch ihre Partnerin im Umgang mit dem Baby ständig beobachtet und kritisiert werden, wächst die Unsicherheit und frustriert ziehen sich dann selbst motivierte Väter zurück. Eine positive Väterlichkeit beginnt lange vor der Geburt eines Kindes. Die wichtigste Voraussetzung für eine positive Identifikation mit der neuen Rolle ist zunächst der Kinderwunsch. Ein Mann, der dem Kinderwunsch seiner Partnerin ablehnend gegenübersteht, hat verständlicherweise größere Probleme damit, seine neue Rolle anzunehmen.Wichtig für ein positives Vaterbild ist auch, dass der werdende Vater sich in die Schwangerschaft einbringen kann und an ihr teilnimmt, indem er die Schwangere zu Arztbesuchen begleitet und mit ihr gemeinsam an Schwangerschaftskursen teilnimmt. Wenn dies aus Zeitgründen nicht möglich ist, ist emotionales Engagement gefragt. Für die Schwangere ist es wichtig, dass der Partner Interesse an ihrem Befinden, an Sorgen und Ängsten zeigt, z. B., indem er den Bauch liebkost, mit dem Baby spricht und die Wehwehchen der werdenden Mutter mit Geduld und Liebe erträgt. Nicht umsonst berichten viele Frauen in der Schwangerschaft, dass ihr Mann genauso schwanger sei wie sie, mit den gleichen und sogar manchmal viel schlimmeren Symptomen. Ebenfalls positiv wird die Beziehung verstärkt durch das Beisein des Vaters bei der Geburt. Hier kann der werdende Papa seine Partnerin seelisch unterstützen und miterleben, wenn sein Baby das Licht der Welt erblickt. Viele Väter (auch die, die große Angst vor der Geburt als solche hatten) schildern diesen Moment als den glücklichsten in ihrem Leben und bestätigen, dass sie eine starke Bindung zum Neugeborenen spüren, sobald sie es in den Armen halten.
Was tun, wenn der werdende Vater sich der Situation entzieht?

Ein Baby ist für gut funktionierende Partnerschaften eine Bereicherung. Die Partner wachsen gemeinsam mit ihrer Baby- Aufgabe und werden so zu einer perfekt eingespielten Einheit. Für eine schlechte Beziehung ist Nachwuchs oft der Anfang vom Ende. Wenn Sie als werdende Mutter das Gefühl haben, Ihr Partner entzieht sich gänzlich der Schwangerschaftssituation, zeigt kaum Interesse an Geburtsvorbereitung und Geburtsbegleitung und zieht sich immer mehr zurück, so sprechen Sie dies rechtzeitig an. Sagen Sie offen, wie Sie sein Verhalten erleben und welche Unterstützung Sie sich genau wünschen. Sollten sich nur die klassischen Männerängste hinter seinem Rückzug verbergen, wird Ihr Partner dankbar sein, dass Sie das Thema ansprechen und mit Ihnen zusammen Lösungen erarbeiten. Wenn Ihr Partner Ihnen eher mit Ausflüchten und Erklärungen, jedoch ohne jegliche Verhaltensbesserung begegnet, so können Sie davon ausgehen, dass andere Gründe ausschlaggebend sind für sein Verhalten. Hier sollten Sie um Klärung bitten und ruhig auch gemeinsam bei einem Experten Rat suchen, sofern die beidseitige Bereitschaft besteht. Wenn diese nicht gegeben ist, dann wäre es für Sie an der Zeit, sich über Ihre Beziehung Gedanken zu machen und wenn nötig, Konsequenzen zu ziehen.
Wichtig ist: Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder mit einer Freundin oder aber auch mit einer Beratungsstelle über Ihre Situation. Nehmen Sie ruhig Unterstützung an, lassen Sie sich helfen, und schauen Sie trotz schwieriger Lage positiv in die Zukunft.
Ein guter Vater
Kann man einen guten Vater definieren? Neuere familienpsychologische Studien zeigen, dass ein guter Vater folgende Kriterien erfüllt:
- Er hat Spaß am Familienleben.
- Er hat sich von den „jugendlichen Aktivitäten“ verabschiedet und freut sich auf das Leben mit seiner Familie.
- Er unterstützt seine Partnerin vor, während und nach der Schwangerschaft, indem er ihre Sorgen und Ängste ernst nimmt oder teilt.
- Er übernimmt Aufgaben, die das Baby betreffen (Babypflege, Füttern, Beruhigen etc).
- Er ist, obwohl berufstätig, voll und ganz für das Baby da, wenn er zu Hause ist.


