05.02.2012

Aktuelle Ausgabe

BABY POST 01.12
Ab Februar bei Ihrem Apotheker und Kinderarzt erhältlich

------ Anzeige ------

 

DAS 1. LEBENSJAHR
Der kleine Unterschied

Viele Eltern bemühen sich um eine geschlechtsneutrale Erziehung.
Das ist aber gar nicht so einfach

 

Maike beobachtet, wie ihre 15 Monate alte Tochter Charlotte mit ihrer Krabbelgruppenfreundin Mona spielt. Beide haben ihre Puppe auf dem Schoß und füttern sie mit der Spielzeugmilchflasche. Dabei reden sie in ihrer Babysprache miteinander, als würden sie sich über die Babys unterhalten. Etwas weiter weg sitzen Benedict und Vincent auf dem Spieöteppich und lassen gegenseitig die kleinen Autos hin und her fahren, begleitet von Motorgeräuschen. Das gemiensame Speil entwickelt sich zu einem kleinen Wettrennen, welches der Autos am schnellsten die größte Strecke zurücklegt.
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen aus der Gehirnforschung weisen nach, dass bereits im Mutterleib viele der typischen geschlechtsspezifischen Unterschiede entstehen. Die Gehirne sind aufgrund unterschiedlicher Testosteronkonzentration auch unterschiedlich belegt. Bei männlichen Gehirnen sorgt der höhere Testosteronanteil dafür, dass die Bereiche für Aggression und Sexualität stärker ausgeprägt sind, bei weiblichen Gehirnen sind beide Gehirnhälften stärker vernetzt. Je höher also die Testosteron-Konzentration im Mutterleib, desto typischer das männliche Verhalten bei Kleinkindern. Jungen sind bei der Geburt meist schwerer und größer als Mädchen, allerdings auch häufig krank im Säuglingsalter. Statistisch gesehensterben im ersten Lebensjahr mehr Jungen als Mädchen.

Dass Mädchen ein besseres Verständnis für Sprache und Jungen für räumliches Denken haben, ist mehrfach belegt. Bereits in den ersten Lebensmonaten suchen Mädchen viel häufiger den Augenkontakt und entwickeln schneller ein größeres Vokabular. Beim Betrachten erwecken abstrakte Gebilde wie Mobiles eher die Aufmerksamkeit der kleinen Jungenbabys, wohingegen Mädchen von Gesichtern fasziniert sind.
Kleine Mädchen ziehen gerne ihre Puppen aus und an und flüstern sich gegenseitig Geheimnisse in Ohr, kleine Jungs hingegen stapeln Bauklötze und tragen Schwertkämpfe spielerisch untereinander aus.
Ist denn somit festgelegt, dass die typischen Unterschiede von Geburt an feststehen und damit nicht veränderbar sind? Nicht ausschließlich. Ebenfalls eine große Rolle bei der Prägung geschlechtstypischer Verhaltensmuster spielt die Erziehung und die damit verbundene Rollenzuteilung. Interessant ist hierbei die eigene Sichtwiese der Eltern. Bei psychologischen Befragungen stellt sich immer wieder heraus, dass Eltern meist tatsächlich der Meinung sind, ihre Kinder gleich und somit geschlechtsunabhängig zu behandeln. Fakt ist jedoch, dass die Kleinen unbewusst ganz unterschiedlich und damit geschlechtsspezifisch behandelt werden. Somit reden Mütter und Väter in der Regel mehr und häufiger mit den weiblichen Babys und gehen ebenfalls mit Mädchen behutsamer um als mit kleinen Jungen. Dafür toben die Eltern mehr mit kleinen Jungen und machen wildere Spiele mit ihnen. 

Vermeiden Sie Schubladendenken

Eine Förderung typischer Geschlechtsrollen kann bis zum gewissen Maße sinnvoll für die Entwicklung der Identität sein, andererseits in Extremform der natürlichen Entwicklung des Kindes ernsthaft schaden. Sätze wie: "Ein Indianer weint nicht" oder "Schrei nicht so, du bist kein Mädchen" bis hin zu "Mädchen spielen nicht mit Autos und klettern nicht auf Bäume" können wichtige Persönlichkeitsanteile der Kleinkinder unterdrücken und für spätere Beziehungs- und Bindungsstörungen sorgen.
Es ist Fakt, dass es bereits bei der Geburt große genetische Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt. Darüber hinaus spielt die Erziehung eine große Rolle, die wiederum von ganz vielen komplexen Faktoren geprägt und beeinflusst wird. Wichtig ist, dass Eltern in der Erziehung den Fokus auf die individuellen Fähigkeiten und Stärken ihres Kindes legen, unabhängig davon, ob diese sich als eher weiblich oder eher männlich zeigen. Lassen Sie die Bandbreite der Verhaltensmuster zu, die Ihr Kind aufzeigt, und fördern Sie diese spielerisch, ohne jede einzelne Reaktion in eine weibliche oder männliche Schublade zu stecken.