
Schönes, schweres erstes Jahr
Das erste Elternjahr gleicht einer Berg- und Talfahrt: wunderschön und faszinierend, doch gleichzeitig auch kräftezehrend und manchmal entmutigend. Das hat auch Christina Hauptmann, die zwei ihrer drei Kinder im Doppelpack bekam, persönlich erlebt. Ein Grund für sie, nach Auswegen aus den kleinen Krisen zu suchen Es hätte wirklich schlimmer kommen können. Statt eines Babyss hätten es auch Zwilling eoder sogar Drillinge werden können. Verdoppeln Sie doch gedanklich mal kurz Ihren jetzigen Babystress, und Sie werden vielleicht beim Anblick der Realität einen Momant noch dankbarer sein (als sie es sowieso schon sind), einen so süßen Schatz geboren zu haben. Aber Spaß beiseite, ob wir nun ein oder mehrere Babys zu versorgen haben, Mütter sitzen alle im gleichen Boot und kämpfen gegen das gleiche Ungeheuer, das nach Augenblicken des höchsten Glücks seinen Kopf aus dem Wasser streckt: Ich spreche vom Baby-Blues. Aber ich meine nicht das tiefe Tal der Tränen wenige Tage nach der Entbindung, sondenr die Momente, wo man dem alten Leben nachtrauert. Momente, in denen man mit dunklen Augenringen ungeduscht im Schlafanzug durch die Wohnung hechtet, weil der verflixte Schnuller schon wieder nicht zu finden ist, und das Baby die ganze Bude zusammenbrüllt. Vorbei die Happy-Hour-Treffs nach Dienstschluss, vorbei die spontanen und endlos langen Telefonate mit der Freundin aus London. Und vor allem tschüss Romantik! Statt Candlelight-Dinner zu zweit beim Italiener um die Ecke gibts jetzt Mitternachtsdiskussionen mit dem Partner am Küchentisch. Kurz gesagt, neben diesem unbeschreiblichen Glück, ein Baby zu haben und dieser bedingungslosen reinen Liebe zum Kind schleicht sich bei frisch gebackenen Müttern (übrigens nicht nur beim ersten Kind) immer wieder das Gefühl ein, das Leben nicht mehr im Griff zu haben. Der Mann steht (meistens) weiterhin unbeirrt im Berufsleben, der Frau fällt zu Hause die Decke auf den Kopf. Und warum? Weil wir heute alles perfekt machen wollen und so hohe Ansprüche an uns stellen wie keine Generation zuvor. Wir hechten einem Idealbild hinterher, vergleichbar dem der eierlegenden Wollmilchsau. Wir wollen stillen können und gleichzeitig drei Wochen nach der entbindung schon wieder aussehen wie Heidi Klum. Wir wollen die perfekte Mama sein und träumen davon, bald wieder in den Job einzusteigen. Wir reden den ganzen Tag über Blähungen und Milchfluss und würden gerne in der Nacht den Schalter drücken, der da heißt: heiße Geliebte. Wir wollen und wir würden gerne - und wir können auch, zumindest ein bisschen. Ein bisschen Auszeit reicht meistens schon, um dem "Hüttenkoller" vorzubeugen.
So verschaffen Sie sich Glücksmomente
Der Papa muß ran: Trotz Job kann auch er nachts (vor allem am Wochenende) mal aufstehen und sich um das Kleine kümmern. Wenn Sie stillen, pumpen Sie ab, ein Fläschchen kann der Vater auch geben. Geht das nicht, weil Ihr Baby keinen Fläschchensauger akzeptiert, kann der stolze Papa das Baby alternativ auch wickeln oder mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen, damit Sie entlastet werden.
Vertretung engagieren: Die Nachbarin, die mal eine Stunde mit dem Kinderwagen spazieren fährt, die Schwiegermutter, die das Kleine hütet, wenn Sie abends mal mit dem Partner ins Kino gehen möchten. Gewöhnen Sie Ihr Baby früh an andere Menschwen, denn es ist extrem wichtig, dass Sie sich immer wieder mit Hilfe eines Babysitters kurze Auszeiten vom Baby gönnen, umso lieber schließen Sie es anschließend wieder in die Arme. Und im übrigen: Ihrem Baby tut es auch gut, Erfahrungen in anderer Umgebung zu machen!
Leichter (er)tragen: Weint Ihr Baby öfters, wenn Sie in der Wohnung nicht in seiner unmittelbaren Nähe sind? Probieren Sie es mal mit einem Tragetuch aus, hier gibt es auch für Ungeübte leicht verständliche Wickeltechniken. Wenn Sie Ihr Baby zu Hause eng am Körper bei sich tragen, wird es still und friedlich sein, und Sie können mehr erledigen, als Sie denken.
Kraft tanken: Ein Besuch beim Friseur oder der Kosmetikerin gibt Ihnen das gute Gefühl zurück, nicht nur Mutter zu sein.
Zeit zu zweit: Wenn Ihr Baby das Fläschchen akzeptiert, gönnen Sie sich einen Babysitter, bei dem Sie ein gutes und sicheres Gefühl haben. Und auch wenn es schwer fällt, das Baby ein paar Stunden zu verlassen: Fahren Sie mit Ihrem Partner mal ins Grüne, oder gehen Sie mal wieder gemeinsam in ein schickes Restaurant - die gemeinsame Zeit ist Balsam für die Partnerschaft.
Mut zur Konversation: Hätten Sie von Ihrem Partner gerne ein bisschen mehr Lob und Anerkennung für Ihre tägliche Arbeit mit dem Baby? Würden Sie gerne wieder zeitweise in Ihren Job einsteigen, vielleicht schon früher als ursprünglich geplant? Artikulieren Sie Ihre Wünsche.
Zu müde für die Liebe?
Sollten Sie zu denjenigen Frauen gehören, die das Kuscheln und Knuddeln mit dem Baby ausfüllend genug finden, stehen Sie keineswegs alleine da. Lustlosigkeit im Bett ist völlig normal und sollte Sie nicht zusätzlich unter Stress setzen. "Solange man stillt, produziert der Körper keine Östrogene, das heißt, man kann auch kaum Lust empfinden", erklärt die Fachärztin für Frauenheilkunde Dr. med. Susanne Mikorey-Lechner (in: "Survival Guide für die Babyzeit", Tina Glasl, Stefanie Reger, Gräfe und Unzer Verlag). Sagne Sie Ihrem Mann, dass Sie noch ein wenig Zeit brauchen. Aber bleiben Sie kreativ und fantasievoll, wenn das Baby abends schläft - die Autorinnen Glasl und Reger haben einen witzigen Tipp: Probieren Sie bei aufgedrehter Heizung mal ein sommerliches Picknick im Wohnzimmer aus - im luftigen Kleid auf der Picknickdecke und einem Korb voll Köstlichkeiten - von Schampus bis Quiche Lorraine.
Großeltern reden lassen: Sie kennen das sicherlich schon: "Meinst Du nicht, er müsste schon durchschlafen? Was, Du stillst noch?" Hören Sie sich die Ratschläge an, sie sind in der Regel nicht als Angriff gedacht, sondern gut gemeint. Toleranz hilft jedenfalls am besten, einer Verhärtung der Fronten vorzubeugen. Vielleicht ist der Tipp gar nicht so schlecht?
"Survival Guide für die Babyzeit", 333 Tipps von stresserprobten Müttern, Tina Glasl und Stefanie Reger, Gräfe und Unzer Verlag. Ein nützlicher moderner Ratgeber für alle frisch gebackenen Mütter, die ihr Kind und das Leben lieben.


