19.05.2012

Aktuelle Ausgabe

BABY POST 02.12
Ab April 2012 bei Ihrem Kinderarzt und Apotheker erhältlich

------ Anzeige ------

 

DAS 1. LEBENSJAHR
So verstehen Sie Ihr Baby besser

So verstehen Sie Ihr Baby besser  Alle Zeichen auf Verständigung 

Vivian König

Die Autorin Vivian König hat eine Idee nach Deutschland gebracht, die in den Vereinigten Staaten schon seit über 25 Jahren praktiziert wird: Eine Zeichensprache ermöglicht Eltern die Kommunikation mit dem Nachwuchs, noch bevor dieser sprechen kann.  Was will uns unser Baby sagen? Vor dieser Frage stehen junge Eltern ständig. Was möchte das Kleine bloß, wenn es uns einmal mehr auffordernd anschaut, wild gestikuliert und immer energischer klingende Laute von sich gibt. Sind Mama und Papa nicht fit in der schnellen Deutung dieser Signale, die letztlich alles bedeuten können, endet die Situation nicht selten in fürchterlichem Geschrei. Ist das Baby sichtlich unzufrieden, kommen natürlich zunächst die Möglichkeiten Hunger, Durst, das Bedürfnis nach Schmusen, Spielen oder einer frischen Windel in Betracht. „Doch häufig beschäftigt sich ein Baby mit Dingen, die wir Erwachsene nicht im Traum für möglich halten würden“, sagt Sandra Marquez-Cardenas, Kursleiterin und selbst Mutter einer zweijährigen Tochter. Seit zwei Jahren unterrichtet sie Eltern und Kinder ab dem 6. Monat in der für die Kleinsten entwickelten Babyzeichensprache – die in ihren Grundlagen auf der allgemeinen deutschen Gebärdensprache beruht. Der Kurs hat zwei Ziele“, erklärt Sandra Marquez-Cardenas, „zum einen soll der Alltag mit dem Kind vereinfacht werden. Und zweitens sollen Mütter und Kinder einfach jede Menge Spaß haben!“ Und Spaß haben die Kleinen ganz offensichtlich. Sarah Wölke, gelernte Erzieherin und Meo-Pädagogin, leitet einen Kurs in der Region Hilden-Solingen- Wuppertal. Während des Kurses sitzen die Mütter, das Baby vor sich haltend, im Kreis auf dem Boden. Sarah Wölke und die Mütter singen gemeinsam Kinderlieder, Verse werden gesprochen und die Mütter erzählen kleine, für die Kinder nachvollziehbare Geschichten – alles begleitet von den zu den bestimmten Begriffen gehörenden Gebärden.
Gruppe übt Zeichensprache 
 Fotos: Zwergensprache GmbH
Das alles erfolgt ganz spielerisch und ohne Erfolgsdruck. Hilfsmittel sind verschiedene Gegenstände, die im Alltag der Kleinen von Bedeutung sind. Aber auch Spielsachen, Stofftiere und Instrumente – die sind sogar sehr wichtig – denn für die spätere Sprachentwicklung spielt der richtige Rhythmus eine wichtige Rolle. Etwa eine halbe Stunde üben Kinder und Eltern aktiv, dann ist die Aufnahmefähigkeit der Kleinen meist erschöpft. Anschließend wird gespielt, während die Eltern noch ausgiebig die Gelegenheit erhalten, sich auszutauschen und Fragen zu stellen. Durch ständiges und konsequentes Wiederholen, insbesondere zu Hause, prägen sich die Gebärden in Verbindung mit dem dazugehörigen Begriff ein – eine Tatsache, die für die spätere Sprachentwicklung nebenbei auch noch förderlich ist. Der Erfolg lässt übrigens unterschiedlich lange auf sich warten. Zeigen die einen Mami per Handzeichen schon nach vier bis sechs Wochen, dass sie jetzt gerne zu Omi gehen würden, kann es bei anderen noch eine ganze Weile länger dauern. „Abhängig ist das von den motorischen Fähigkeiten des Kindes,“ so Sarah Wölke, „je weiter die entwickelt sind, umso schneller lernt das Kind, sich die Gebärdensprache zu Nutze zu machen“. Und ist das erst einmal der Fall, gibt es kaum noch Verständigungsprobleme zwischen Groß und Klein.  

      
„Schon 30 Zeichen erleichtern den Alltag“ 


ZwergensprachengruppeJa Zum Baby-Mitarbeiterin Sandra Ott ließ sich von Zwergensprache-Kursleiterin Sandra Marquez- Cardenas die Grundlagen der Babyzeichensprache erklären Ab welchem Alter können Kinder an einem Zeichensprachkurs teilnehmen? Die Kleinen sollten zwischen sechs und neun Monate alt sein, wenn sie mit dem Kurs beginnen. Vorher macht es keinen Sinn, denn sie müssen in der Lage sein, die Zeichen den dazugehörigen Begriffen zuzuordnen. Wie viele Zeichen brauchen Eltern und Kinder für ihre Kommunikation? Das ganze Repertoire umfasst über 300 Zeichen. Die können und müssen die Kinder natürlich nicht alle lernen. Wir haben etwa 30 ausgewählt, die Kindern und Eltern den Alltag erleichtern und dazu leicht zu erlernen sind. Möchten die Eltern noch weitere Zeichen dazunehmen, bieten Bücher ideale Grundlagen. Gibt es Zeichen, mit denen Kinder mehr Probleme haben als mit anderen? Grundsätzlich macht es wenig Sinn, einem Kind, dass sich z. B. nicht für Autos und Flugzeuge interessiert, die dazu gehörenden Zeichen zu erklären. Es wird sie, wenn überhaupt, nur kurz erfassen und relativ schnell wieder vergessen. Anders ist das bei Dingen, für die sich die Kleinen interessieren. Fühlt sich ein Baby schon früh zu Tieren hingezogen, wird es die Zeichen zu den verschiedenen Arten ganz leicht erlernen und auch beibehalten. Hat die Anwendung der Babyzeichensprache Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kinder? Meine Erfahrung ist, dass Kinder einen deutlich größeren Wortschatz als gleichaltrige Kinder entwickeln. Meine Tochter hat verhältnismäßig früh angefangen, die ersten Worte zu sprechen und verfügt mit ihren zwei Jahren bereits über einen Wortschatz, der für drei bis vierjährige Kinder vorausgesetzt wird. 

Wie verläuft der Übergang von Babyzeichensprache zur verbalen Sprache? 
Der Übergang ist fließend. Das Kind erlernt die verbale Sprache quasi nebenbei. Je sicherer es in der Aussparche wird, umso weniger wendet es die Zeichen an, bis es sie irgendwann ganz wegfallen lässt. Meine Tochter benutzt ein Zeichen heute nur noch dann, wenn ihr etwas ganz besonderes wichtiger ist. Dann spricht sie das Wort und verwendet als Unterstreichung das dazugehörige Zeichen. Vivian König, Autorin der Bücher, ist Mutter zweier Kinder. Sie hat die Möglichkeit, die Babysprache kennenlernen zu dürfen, dem Umstand zu verdanken, dass ihr ältester Sohn Max in England zur Welt kam, wo Kurse in Babyzeichensprache jungen Eltern schon seit vielen Jahren ganz selbstverständlich angeboten werden. Diese Idee brachte sie im Anschluss mit nach Deutschland. Weitere Infos unter www.zwergensprache.com

Vivian König AutorinVivian König Autorin

"Kleines Wörterbuch der Babyzeichen" (ISBN 3-00-015931-2) und "Das große Buch der Babyzeichen" (ISBN 978-3-9810709-7-2)