
Ernährung im Beikostalter
Süss und salzig - Die Entdeckung des Geschmacks
Milch ist zu Beginn des Babylebens wirklich die einzige Nahrung, die der kleine Erdenbürger für ein gutes Gedeihen braucht. Milchnahrung, vorzugsweise ist hier immer noch die Muttermilch zu nennen, enthält einfach alle Nährstoffe, die für den Aufbau des
menschlichen Körpers wichtig sind: Vitamine, Mineralstoffe, Energie und Eiweiß. Außerdem sorgen Mamas Antikörper dafür, dass das Baby mit einem Nestschutz gegen viele Krankheiten ausgestattet wird, die dem Säugling in der Anfangsphase seines Lebens sonst ernstlich gefährlich werden könnten. Muttermilch ist außerdem, das belegen alle Studien, der beste vorbeugende Allergieschutz.
Foto: Baby Walz
Nach ein paar Monaten Milchkost verlangt der Nachwuchs allerdings nach mehr. Für den weiteren Aufbau der Muskulatur, für die Zähne, den Knochenbau und für die Zellentwicklung müssen zusätzlich Energie, Eiweiß, Eisen, Calcium und Vitamine über andere Nahrungsmittel hinzukommen. Das Beikostalter beginnt. Viele Eltern sind sich allerdings nicht darüber im Klaren, dass sie mit dem Kauf von Breien und Gläschenkost eine wichtige Weiche für das ganze Leben stellen. Was jetzt auf Babys Teller kommt, kann mit darüber entscheiden, ob der Erwachsene später übergewichtig wird, an Bluthochdruck oder Diabetes erkrankt, einen Herzinfarkt erleidet oder ein erhöhtes Schlaganfallrisiko in sich trägt. Allesamt Erkrankungen, die durch ungünstige bzw. falsche Ernährungsgewohnheiten verursacht werden.
Trotzdem fragen Sie sich jetzt vielleicht, was Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall mit der Babynahrung zu tun haben. Für Ernährungswissenschaftler ist der Zusammenhang ganz klar. Geschmackliche Vorlieben werden schon im frühesten Kindesalter geprägt. Muttermilch beispielsweise kommt bei Babys auch deshalb so gut an, weil sie wegen ihres Lactosanteils ebenfalls süßlich schmeckt. Da ist es ganz logisch, dass auch Milchnahrungen geschmacklich angepasst werden. Babys stehen auf Süß. Und diese geschmackliche Vorliebe bleibt im Kindesalter bestehen. Kennen wir nicht alle die notorischen Essverweigerer, die erst dann mit Heißhunger essen, wenn der gesüßte Nachtisch, ein kleiner Pausensnack oder die süße Limonade auf den Tisch kommt? Und dabei bleibt es nicht, denn die frühe Geschmacksprägung beeinflusst unser Essverhalten das ganze Leben lang. Da kommt es leider oft erst zu Übergewicht und später zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Und immer häufiger müssen schon Kinder wegen Diabetes Typ 2 behandelt werden – eine Erkrankung des Stoffwechsels, die durch die Neigung zu süßem Essen/ Trinken verursacht wird. Eltern tun also gut daran, beim Einstieg in die Beikost die Etiketten der Verpackungen sehr sorgfältig anzuschauen und auf ihren Zuckergehalt zu überprüfen. Übrigens tarnt sich Zucker hinter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen. Deshalb sollte man nicht nur den Gehalt von Kristallzucker analysieren. Zucker versteckt sich auch hinter Bezeichnungen wie Fruktose, Dextrose, Glykose, Glukose usw. Und letztlich sind auch Süßstoffe nur ein Zuckerersatz. Was zählt, ist die Gesamtbilanz eines Breis bzw. von einer Gläschensorte. An Früchte gehört kein zusätzlicher Zucker, denn der natürliche Fruchtzuckeranteil reicht vollkommen aus. Aber nicht nur Zucker, sondern auch Salz spielt für die Entwicklung der Geschmacksnerven und damit auch für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Dr. Mike Poßner, Direktor des Nestlé-Nutrition-Institutes, erklärt: „Salz (chemisch Natriumchlorid) ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Es hat entscheidenden Anteil am Flüssigkeitshaushalt außerhalb der Zellen und der Übertragung von Nervenimpulsen. Der natürliche Salzgehalt der Nahrungsmittel reicht im Normalfall aber aus, um den Natrium- und Chloridbedarf eines vier bis acht Monate alten Babys zu decken. Zu viel Salz in den Speisen wird dagegen nicht vertragen, weil vor allem die Nieren, die den Natriumstoffwechsel regeln, noch nicht ausgereift sind und daher der kleine Organismus unnötig belastet wird.“ Wie beim Zucker kommt es auch beim Salz auf die Dosierung an. Kleine Mengen sind gesund, große machen krank. Jeder von uns kennt Erwachsene, die ihr Essen nachsalzen, noch bevor sie überhaupt davon probiert haben. Salz ist einerseits ganz wichtig für den Mineralstoffhaushalt des Körpers und beeinflusst unser Wohlergehen enorm. Aber wer es mit dem Salzverzehr übertreibt, riskiert gravierende gesundheitliche Spätschäden. Salz gilt als ein Verursacher von Bluthochdruck und ist damit ein Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Deshalb geben der Gesetzgeber und internationale wissenschaftliche Gremien wie die ESPGHAN eine niedrige Toleranzgrenze für Natrium in Beikostprodukten vor. Die Deutsche Diätverordnung legt für Baby- und Kleinkindnahrung bis zu einem Alter von drei Jahren einen Grenzwert für den Gesamtgehalt an Natriumvon 200mg/100 g fest. Diese geringen Mengen sind auf keinen Fall schädlich für die Kleinen. Bei der Selbstzubereitung von Babykost sollte übrigens ganz auf jede Kochsalzzugabe verzichtet werden, da eine Dosierung solch geringer Mengen im Haushalt nicht möglich ist.
Was Sie über Salz wissen sollten
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| Foto: Nestlé |
Empfehlung für die minimale Tageszufuhr von Natrium für Babys und Kleinkinder (nach D-A-CH)
0 bis unter 4 Monate 100 Natrium (mg/Tag)
4 bis unter 12 Monate 180 Natrium (mg/Tag)
1 bis unter 4 Jahre 300 Natrium (mg/Tag)



