19.05.2012

Aktuelle Ausgabe

BABY POST 02.12
Ab April 2012 bei Ihrem Kinderarzt und Apotheker erhältlich

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DAS 1. LEBENSJAHR
Süss und salzig

Ernährung im Beikostalter

Süss und salzig - Die Entdeckung des Geschmacks

Milch ist zu Beginn des Babylebens wirklich die einzige Nahrung, die der kleine Erdenbürger für ein gutes Gedeihen braucht. Milchnahrung, vorzugsweise ist hier immer noch die Muttermilch zu nennen, enthält einfach alle Nährstoffe, die für den Aufbau des

Baby beim Essen 
 Foto: Baby Walz
menschlichen Körpers wichtig sind: Vitamine, Mineralstoffe, Energie und Eiweiß. Außerdem sorgen Mamas Antikörper dafür, dass das Baby mit einem Nestschutz gegen viele Krankheiten ausgestattet wird, die dem Säugling in der Anfangsphase seines Lebens sonst ernstlich gefährlich werden könnten. Muttermilch ist außerdem, das belegen alle Studien, der beste vorbeugende Allergieschutz.     

Nach ein paar Monaten Milchkost verlangt der Nachwuchs allerdings nach mehr. Für den weiteren Aufbau der Muskulatur, für die Zähne, den Knochenbau und für die Zellentwicklung müssen zusätzlich Energie, Eiweiß, Eisen, Calcium und Vitamine über andere Nahrungsmittel hinzukommen. Das Beikostalter beginnt. Viele Eltern sind sich allerdings nicht darüber im Klaren, dass sie mit dem Kauf von Breien und Gläschenkost eine wichtige Weiche für das ganze Leben stellen. Was jetzt auf Babys Teller kommt, kann mit darüber entscheiden, ob der Erwachsene später übergewichtig wird, an Bluthochdruck oder Diabetes erkrankt, einen Herzinfarkt erleidet oder ein erhöhtes Schlaganfallrisiko in sich trägt. Allesamt Erkrankungen, die durch ungünstige bzw. falsche Ernährungsgewohnheiten verursacht werden.

Trotzdem fragen Sie sich jetzt vielleicht, was Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall mit der Babynahrung zu tun haben. Für Ernährungswissenschaftler ist der Zusammenhang ganz klar. Geschmackliche Vorlieben werden schon im frühesten Kindesalter geprägt. Muttermilch beispielsweise kommt bei Babys auch deshalb so gut an, weil sie wegen ihres Lactosanteils ebenfalls süßlich schmeckt. Da ist es ganz logisch, dass auch Milchnahrungen geschmacklich angepasst werden. Babys stehen auf Süß. Und diese geschmackliche Vorliebe bleibt im Kindesalter bestehen. Kennen wir nicht alle die notorischen Essverweigerer, die erst dann mit Heißhunger essen, wenn der gesüßte Nachtisch, ein kleiner Pausensnack oder die süße Limonade auf den Tisch kommt? Und dabei bleibt es nicht, denn die frühe Geschmacksprägung beeinflusst unser Essverhalten das ganze Leben  lang. Da kommt es leider oft erst zu Übergewicht und  später zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Und immer häufiger müssen schon Kinder wegen Diabetes Typ 2 behandelt werden – eine Erkrankung des Stoffwechsels, die durch die Neigung zu süßem Essen/  Trinken verursacht wird. Eltern tun also gut daran, beim Einstieg in die Beikost die Etiketten der Verpackungen sehr sorgfältig anzuschauen und auf ihren Zuckergehalt zu überprüfen. Übrigens tarnt sich Zucker hinter ganz unterschiedlichen  Bezeichnungen. Deshalb sollte man nicht nur den Gehalt von Kristallzucker analysieren. Zucker versteckt  sich auch hinter Bezeichnungen wie Fruktose, Dextrose, Glykose, Glukose usw. Und letztlich sind auch Süßstoffe nur ein Zuckerersatz. Was zählt, ist die Gesamtbilanz  eines Breis bzw. von einer Gläschensorte. An Früchte gehört kein zusätzlicher Zucker, denn der  natürliche Fruchtzuckeranteil reicht vollkommen aus.  Aber nicht nur Zucker, sondern auch Salz spielt für die  Entwicklung der Geschmacksnerven und damit auch  für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Dr. Mike  Poßner, Direktor des Nestlé-Nutrition-Institutes, erklärt: „Salz (chemisch Natriumchlorid) ist ein wichtiger  Bestandteil unserer Ernährung. Es hat entscheidenden  Anteil am Flüssigkeitshaushalt außerhalb der Zellen  und der Übertragung von Nervenimpulsen. Der  natürliche Salzgehalt der Nahrungsmittel reicht im  Normalfall aber aus, um den Natrium- und Chloridbedarf  eines vier bis acht Monate alten Babys zu decken.  Zu viel Salz in den Speisen wird dagegen nicht vertragen,  weil vor allem die Nieren, die den Natriumstoffwechsel  regeln, noch nicht ausgereift sind und daher  der kleine Organismus unnötig belastet wird.“  Wie beim Zucker kommt es auch beim Salz auf die Dosierung  an. Kleine Mengen sind gesund, große machen krank. Jeder von uns kennt Erwachsene, die ihr  Essen nachsalzen, noch bevor sie überhaupt davon  probiert haben. Salz ist einerseits ganz wichtig für den  Mineralstoffhaushalt des Körpers und beeinflusst unser Wohlergehen enorm. Aber wer es mit dem Salzverzehr übertreibt, riskiert gravierende gesundheitliche Spätschäden. Salz gilt als ein Verursacher von  Bluthochdruck und ist damit ein Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Deshalb geben der Gesetzgeber  und internationale wissenschaftliche Gremien wie die ESPGHAN eine niedrige Toleranzgrenze für Natrium in Beikostprodukten vor.  Die Deutsche Diätverordnung legt für Baby- und Kleinkindnahrung bis zu einem Alter von drei Jahren einen Grenzwert für den Gesamtgehalt an Natriumvon 200mg/100 g fest. Diese geringen Mengen sind auf keinen Fall schädlich für die Kleinen. Bei der Selbstzubereitung von Babykost sollte übrigens ganz auf  jede Kochsalzzugabe verzichtet werden, da eine Dosierung solch  geringer Mengen im Haushalt nicht möglich ist.  

 Was Sie über Salz wissen sollten   

 Mutter füttert bei
 Foto: Nestlé
Kochsalz ist Natriumchlorid (chem. NaCl) und die  mengenmäßig am meisten konsumierte Mineralstoffverbindung  der menschlichen Ernährung. Natrium und Chlorid  spielen für Wasserhaushalt, Nervensystem, Verdauung  und Knochenaufbau eine lebenswichtige Rolle. Der Körper eines Erwachsenen enthält ca. 150–300 g Salz. Der durchschnittliche Tagesbedarf zum Ausgleich des Verlusts durch Schwitzen und Ausscheidungen beträgt 3–5 g und kann  bei starker Belastung auf bis zu 20 g ansteigen. Die Bedeutung von Salz ist übrigens schon daran zu erkennen, dass „salzig“ eine eigene Geschmacksrichtung ist.
  

Empfehlung für die minimale Tageszufuhr von Natrium für Babys und Kleinkinder (nach D-A-CH) 

 0 bis unter 4 Monate 100 Natrium (mg/Tag) 

4 bis unter 12 Monate 180 Natrium (mg/Tag) 

1 bis unter 4 Jahre 300 Natrium (mg/Tag)