
VIELE SCHWANGERE FRAUEN BLICKEN DER GEBURT IHRES BABYS MIT GEMISCHTEN GEFÜHLEN ENTGEGEN: OBWOHL SIE SICH RIESIG AUF DEN NEUEN ERDENBÜRGER FREUEN, HABEN SIE AUCH ANGST VOR DEM GROSSEN TAG. EINE GUTE GEBURTSVORBEREITUNG HILFT IHNEN JEDOCH, SELBSTBEWUSST, ZUVERSICHTLICH UND EIN WENIG ENTSPANNTER IN DEN KREISSSAAL ZU GEHEN.
Die meisten schwangeren Frauen möchten sich möglichst optimal auf die Geburt vorbereiten. Aus gutem Grund, denn bekannt ist, dass „geschulte", trainierte und informierte Frauen eher in der Lage sind, den Geburtsverlauf positiv zu beeinflussen. Werdende Mütter sollten sich deshalb rechtzeitig um einem Geburtsvorbereitungskurs kümmern. Viele Kurse starten zwischen der 26. und 30. Schwangerschaftswoche, die Anmeldung sollte jedoch viel früher erfolgen. Mittlerweile werden überall im Land entsprechende Kurse angeboten - für schwangere Frauen, die alleine teilnehmen möchten, sowie für Paare. Vor allem in größeren Städten und Gemeinden gibt es auch spezielle Angebote für alleinerziehende Mütter, „Crash-Kurse" für Frauen, die bereits ihr zweites oder drittes Kind erwarten, Kompakt-Schulungen am Wochenende und, und, und. Spezialkurse mit fernöstlichem Schwerpunkt sowie Geburtsvorbereitung im Wasser runden die Angebotsvielfalt ab. Beim Frauenarzt, in vielen Kliniken, bei ihrer Krankenkassen oder in Familienbildungsstätten können Frauen erfahren, welche Kurse in Wohnortnähe stattfinden. Wichtig ist, dass der Kurs ihrer Wahl wichtige Elemente der Geburtsvorbereitung beinhaltet. Dazu zählen:
Gespräche und Informationen
Vor allem Frauen, die ihr erstes Kind erwarten, haben verständlicherweise tausend Fragen rund um die Geburt ihres Babys. Sie möchten beispielsweise über Wehen, Abläufe im Kreißsaal, Gebärhaltungen, schmerzlindernde Medikamente, aber auch über „unplanbare" Ereignisse und mögliche Komplikationen - vom Blasensprung über den Kaiserschnitt bis hin zur Frühgeburt - informiert werden. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Kurs von einer qualifizierten Fachkraft, am besten von einer Hebamme, geleitet wird. Doch nicht nur die Geburt wird thematisiert: Auch alle brennenden Fragen rund um den Schwangerschaftsverlauf, das Wochenbett, das Stillen und die erste Zeit mit Baby können werdende Mütter hier loswerden. Ganz klar: Durch ausführliche Informationen und gemeinsame Gespräche ist es möglich, viele Ängste abzubauen und Bedenken zu zerstreuen.
ATEM- UND ENTSPANNUNGSÜBUNGEN
Bekannt ist: Gebären ist „Schwerstarbeit" und mit enormer körperlicher Anstrengung verbunden. Deshalb ist es unerlässlich, den Organismus unter der Geburt ausreichend
mit Sauerstoff zu versorgen. Dies gewährleistet die richtige Atmung. Und nicht nur das: Gezielte Atemtechniken ermöglichen es Frauen, besser mit den Wehen fertig zu werden und den Geburtsverlauf positiv zu beeinflussen. In modernen Geburtsvorbereitungs- Kursen spielt auch die Entspannung eine wichtige Rolle. Gezielte Übungen (z. B. Autogenes Training) können Frauen bereits in der Schwangerschaft helfen, vom Alltag abzuschalten. Für Entspannung - sowohl während der Schwangerschaft als
auch unter der Geburt - sorgen auch Massagetechniken, die in vielen Kursen eine wichtige Rolle spielen. Positiver Nebeneffekt: Atem- und Entspannungsübungen stärken das Körperbewusstsein. So lernen schwangere Frauen beispielsweise, ihren Beckenboden zu spüren und die Signale ihres Körpers bewusst wahrzunehmen. Da schafft Vertrauen in die eigene Kraft.
Bewegungstraining
Gezielte gymnastische Übungen - beispielsweise für Beckenboden und Brustmuskulatur - sind feste Bestandteile vieler Geburtsvorbereitungskurse. Sie verfolgen auch das Ziel, das Körperbewusstsein schwangerer Frauen zu stärken. Darüber hinaus haben Frauen meist die Möglichkeit, verschiedene Gebärhaltungen zu „trainieren", sich beispielsweise mit dem Gebärhocker und dem Seil vertraut zu machen. Jedoch: Traditionelle Schwangerschaftsgymnastik, die noch vor 30 Jahren im Mittelpunkt der Geburtsvorbereitung stand, halten viele Experten für überholt. Anstelle klassischer „Turnübungen" steht heute vielmehr ein Bewegungskonzept zur Stärkung von Körper und Psyche auf dem Programm.
Austausch mit gleichgesinnten
Egal, ob schwangere Frauen alleine oder mit dem Partner zur Geburtsvorbereitung
gehen: Hier haben sie die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Oft entwickeln sich in den Kursen sogar Freundschaften fürs Leben.
Muss Mann mit?
Die meisten Väter möchten dabei sein, wenn ihr Kind zur Welt kommt. Für sie ist es deshalb auch durchaus sinnvoll, ihre Frau zur Geburtsvorbereitung zu begleiten. Spezielle Paarkurse ermöglichen es. Hier erfahren werdende Väter, wie sie ihre Frau unter der Geburt aktiv unterstützen, halten, beruhigen, massieren und zum Durchhalten motivieren können. Viele Hebammen haben die Erfahrung gemacht, dass vorbereitete Paare auch im Kreißsaal gute Teams sind. Trotz der Tatsache, dass Männer in Geburtsvorbereitungskursen willkommen sind, sollten Paare nicht vergessen: Gebären ist Frauensache! Wie die Partnerin die Geburt letztlich am besten verkraftet und ob sie im Akutfall Schmerzmittel benötigt, kann nur sie entscheiden! Und: Gemeinsam zur Geburtsvorbereitung zu marschieren darf natürlich nicht zur Pflichtübung werden. Manche schwangere Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie unter den Blicken anderer Männer Atmen oder Pressen üben sollen. Deshalb bevorzugen sie eine reine Frauengruppe. Ganz klar: Entscheiden sich Paare gegen die gemeinsame Geburtsvorbereitung, so ist das durchaus legitim, auch wenn „gemeinsames Gebären" dem Zeitgeist entspricht.
Das bezahlt die Krankenkasse
Unter welchen Voraussetzungen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten für die Geburtsvorbereitung übernehmen, erläutert Dr. Ellen von Itter, Pressesprecherin der AOK Rheinland: „Kosten für Geburtsvorbereitungskurse, die von einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger („männliche Hebamme") geleitet werden, erstatten die gesetzlichen Krankenkassen für schwangere Frauen. Für insgesamt 14 Stunden werden maximal 71,54 Euro gezahlt. Bei höheren Kursgebühren müssen die Frauen die Differenz aus eigener Tasche finanzieren. Das gilt auch für Zusatzkosten, die für teilnehmende Partner entstehen. Während die Kosten für Geburtsvorbereitung in der Gruppe grundsätzlich übernommen werden, wird ,Einzelunterricht' nur dann erstattet, wenn der behandelnde Arzt ihn verordnet. Für diese individuelle Betreuung zahlen die Kassen bis zu 12,78 Euro pro Stunde. Wichtig zu wissen: Kurse, die von Personen anderer Berufsgruppen (z. B. Masseuren, Krankengymnasten) geleitet werden, werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht bezahlt. Deshalb sollten sich schwangere Frauen vergewissern, dass der Kurs von einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger angeboten wird. Eine so qualifizierte Leitung garantiert natürlich auch eine hohe Qualität der Geburtsvorbereitung."


