
"Früher gab es mehrere Kinder in eienr Familie. Da haben die Älteren die Jüngeren versorgt. Wenn sie selbst Eltern wurden, konnten sie auf diese Erfahrung in der Pflege zurückgreifen. Das hat sich in unserer Gesellschaft verändert", erläutert der Experte und fügt hinzu: "Deshalb dachte ich mir: Man muß den heutigen Eltern helfen und schon in der Schwangerschaft einen Präventionskurs anbieten, denn eine sichere Bindung zum Kind aufzubauen ist immer wichtig." Damit das emotionale Band zwischen Eltern und ÄKind gut gedeiht, hat der Facharzt eine viel versprechende Strategie entwickelt: Im Rahmen des Präventionsprogramms Sichere Ausbildung für Eltern begleiten Experten werdende Mütter und Väter.
So sollen Eltern die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder besser wahrnehmen und durch feinfühliges Verhalten die Bindung zu ihrem Kind fördern. Das Programm beinhaltet vier Module: In vier Kurstagen in einer Eltenr gruppe vor der Geburt (Beginn zwischen dem 4. und 7. Schwangerschaftsmonat) wird unter anderem über Fantasien, Hoffnungen und Ängste der Eltern, vorgeburtliche Bindung und das Verhalten der Eltern mit ihrem Säugling gesprochen. In einem Feinfühligkeitstraining, bei dem die Teilnehmer anhand von Videoaufnahmen die Signale von Säuglingen lesen lernen, werden sie schon vor der Geburt sicherer und kompetenter im Umgang mit ihrem speziellen Baby. In den sechs Kurstagen nach der Geburt (bis zum Ende des ersten Lebensjahres) erhalten die Eltern unter anderem Informationen über die emotionale Entwicklung des säuglings, bekommen anhand von Videos, die etwa beim Wickeln, Füttern, Spielen von ihnen gemacht wurden, eine individuelle Rückmeldung zu ihrem Verhalten und den Signalen ihres Babys. Bei möglichen Schwieirgkeiten mit dem Säugling (Schlafen, Essen, Schreien) erhalten sie eine Beratung zur Bewältigung und Informationen sowie Anleitungen zur Entwicklung des sicheren Bindungsverhaltens.
Als drittes Modul wird Eltern ein Beratungsangebot bzw. eine telefonische Hotline angeboten, sollten sie in akut schwierigen Situationen Unterstützung benötigen. Wird bei den vorgeburtlichen Interviews eine ungelöste traumatische Erfahrung festgestellt, bekommen sie als viertes Modul eine Traumatherapie angeboten, um die Wiederholung eines erelbten Traumas mit den eigenen Kindern zu verhindern. Familienbildungsstätten, Landratsämter, Jugendämter, die Stiftung "Bündnis für Kinder gegen Gewalt" und die "Aktion Mensch" finanzieren unter anderem die bisherigen Maßnahmen.
"Wir wollen mit den Krankenkassen ins Gespräch kommen, um Präventionsmaßnahmen flächendeckend in Deutschland anbieten zu können. Irgendwann wird die Sichere Ausbildung für Eltern so selbstverständlich sein wie ein Geburtsvorbereitungskurs bei der Hebamme", wünscht sich Dr. Karl Heinz Brisch. Deutschlandweit gibt es mittlerweisle über 2000 geschulte Mentoren. Auf der Internetseite www.safeprogramm.de finden Sie Mentoren auch in Ihrer Nähe.


