
Nabelschnurblut
Immer mehr Eltern möchten mit Stammzellen aus der Nabelschnur Vorsorge für die Gesundheit ihres Babys treffen. Weltweit haben schon circa vier Millionen Eltern das Nabelschnurblut ihrer Kinder einlagern lassen, darunter prominente Paare wie Kronprinz Felipe und seine Frau Letitia. Tatsächlich werden die Einsatzmöglichkeiten dieses wertvollen medizinischen Rohstoffs immer größer.
Warum ist Nabelschnurblut so wertvoll für die Medizin?
Im Nabelschnurblut befinden sich Stammzellen, d.h. sehr wandlungsfähige Zellen, die durch ihr fast unbegrenztes Teilungsvermögen für die körperliche Entwicklung und den Nachschub an Körperzellen sorgen, dabei neue Funktionen übernehmen und imstande sind, ganz verschiedene Zelltypen und Gewebe zu bilden. Es handelt sich ausdrücklich nicht um ethisch hochproblematische embryonale Stammzellen, sondern um die jüngsten "adulten" Stammzellen, die wegen ihres geringen biologischen Alters als besonders hochwertig angesehen werden. Diese lassen sich sehr einfach und ohne Risiko für Mutter oder Kind gewinnen und überleben bei Temperaturen von minus 196 Grad Celsius mehrere Jahrzehnte, wenn nicht sogar ein ganzes Leben lang.
Die Chance, diesen lebendigen Rohstoff zu bergen, besteht nur bei der Geburt. Bezogen auf die Zahl von jährlich 130 Millionen Geburten weltweit ist Nabelschnurblut bisher die am wenigsten genutzte Stammzellenresource.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Seit 1988 werden Stammzellen aus Nabelschnurblut für die Behandlung bestimmter Krankheiten verwendet, und insbesondere Erkrankungen wie Blutkrebs (Leukämie) oder verschiedene Formen der Blutarmut lassen sich tatsächlich damit heilen. Nach Ansicht der Experten auf diesem Gebiet könnten solche Stammzellen künftig auch in der Behnadlung von Volkskrankheiten wie koronarer Herzkrankheit, Arthrose oder Parkinson eine wichtige Rolle spielen, Anderen Forschergruppen geht es um die Nutzung der Zellen für die Herstellung von Ersatzgeweben, z.B. einer künstlichen Herzklappe, die vom Körper nicht als fremd anerkannt wird und mit kleinen Patienten mitwächst. Kinder mit Herzfehlern müssten dann nicht den mehrfachen Austausch zu klein gewordener Kunstklappen, sondern nur noch eine einzige Operation über sich ergehen lassen. Der Kinderarzt Prof. Holm Schneider vom Universitätsklinikum Erlangen interessiert sich besonders für jene Zellen des Nabelschnurblutes, aus denen sich Knochengewebe züchten lässt, die so genannten mesenchymalen Stammzellen. "Diese Zellen könnten z.B. für den Verschluss von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, der häufigsten angeborenen Fehlbildung, genutzt werden und würden betroffenen Kindern zusätzliche Operationen ersparen", begründet er. Die Forschergruppe um Prof. Schneider untersucht außerdem, ob bestimmte Stammzellen aus dem Nabelblut zur Verringerung von Hirnschäden beitragen können, die durch Sauerstoffmangel bei der Geburt entstehen. Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang der Fall eines Mädchens, das aufgrund einer Mangelversorgung während einer Operation eine Hirnschädigung erlitt und am Knappschaftskrankenhaus in Bochum mit eigenen Stammzellen behandelt wird. Viele weitere medizinische Anwendungsmöglichkeiten zeichnen sich ab; die Palette reicht von Organverletzungen nach Unfällen bis hin zum Schlaganfall. Am Institut für Diabetesforschung der TU München startet in diesem Jahr unter der eitung von Dr. Anette-Gabriele Ziegler eine Studie, in der die Anwendungsmöglichkeiten von Stammzellen in der Diabetes-Behandlung untersucht werden sollen. Die Hypothese dieser Studie ist, dass das Immunsystem durch eigene Nabelschnur-Stammzellengünstig beeinflusst werden kann.
In den letzten Jahren hat die Zahl der Erkrankungen, die mit Nabelschnurblut möglicherweise gebessert oder sogar geheilt werden können, also rasant zugenommen. Trotz des enormen wissenschaftlichen Fortschritts sollten Eltern sicht bewusst sein, dass die Einlagerung von Nabelschnurblut keine Lebensversicherung bei einer späteren Erkrankung ihres Kindes sein kann.
Private oder öffentliche Blutbank?
Für werdende Eltern stellt sich die Frage, ob sie das Nabelschnurblut ihres Babys bei einer privaten oder bei einer öffentlichen Blutbank, die meistens einer Universitätsklinik angegliedert ist, einlagern lassen. Während öffentliche Nabelschnurblutbanken die Einlagerung der Zellen in der Regel aus Steuergeldern, Spenden und Rückerstattungen der Krankenkassen finanzieren, zahlen Eltern die Einlagerungsgebühren bei Inanspruchnahme privater Anbieter selbst. Dafür ist Ihnen bei Bedarf der zugriff auf die eigenen Stammzellen garantiert, was bei den öffentlichen Blutbanken nicht möglich ist. Wer das Nabelschnurblut bei einer privaten Blutbank einlagern lässt, kann es übrigens später auch als Spende für einen fremden Empfänger freigeben und bekommt dann meist die Kosten der Einlageurng erstattet. Auf jeden Fall sollten werdende Eltern sich vor der Einlagerung gut informieren, wo und zu welchen Bedingungen sie das wertvolle Nabelschnurblut einlagern möchten.

